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Jubiläumsjahr 2018

Eine persönliche Bilanz: 800 Jahre und zwölf Monate

Mag. Monika Wagner hat als Projektleiterin das 800-Jahr-Jubiläum geplant, koordiniert und begleitet.

Kategorie
Feldkirch 800

Zwölf Monate an Feierlichkeiten liegen nun hinter ihr. Über ihre schönsten Momente im Jubiläumsjahr 2018, über Feldkirchs Bescheidenheit und wieso sie sich selbst als „Herzensfeldkircherin“ bezeichnet, spricht sie im Interview.

Frau Wagner, noch ein Monat und das Jubiläumsjahr 2018 ist zu Ende – was überwiegt: Erleichterung oder Wehmut?

Beides ist da: Eine große Erleichterung und Freude, dass unser Konzept aufgegangen und das Jubiläumsjahr gut über die Bühne gegangen ist.
Wehmut, weil ein Projekt zu Ende geht, das mein Leben in den letzten drei Jahren bestimmt und mich intensiv begleitet hat. Jetzt ist es Zeit loszulassen und abzuschließen.

Rund 100 Veranstaltungen und zahlreiche Partner, die mit ihren Projekten Teil des Jubiläumsjahres waren – wie stemmt man einen derartigen Aufwand?

Das frage ich mich im Nachhinein auch manchmal (lacht). So ganz klar war mir zu Beginn nicht, was da auf uns zukommt. Und dann steckt man mittendrin und stemmt den Aufwand – indem man sich gründlich vorbereitet, keinen der vielen Fäden, die zusammenlaufen, fallen lässt und vor allem, weil ein tolles Team sehr verlässlich, engagiert und begeistert mitmacht. Und auch die vielen Partner haben alle höchst professionell ihre Projekte umgesetzt. Das möchte ich einmal aussprechen und mich dafür bedanken.

Sie sind mit bestimmten Vorstellungen und Zielen ins Jubiläumsjahr gestartet. Inwieweit haben sich diese erfüllt?

Es war uns wichtig, Feldkirch als Stadt zu positionieren, die stark vom Humanismus geprägt wurde und wird. Ich denke, das ist uns geglückt. Einerseits durch die Ausstellung „Von Hugo bis dato“, in der wir die Geschichte aufgearbeitet und mit der wir sehr viele Menschen erreicht haben. Aber auch mit vielen kleineren Projekte, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Was mir bei der Programmerstellung ebenso wichtig war: ein Jubiläumsjahr für möglichst viele Menschen zu gestalten. Durch die Einbindung verschiedener Gruppen und Vereine und das bunte Programm war hoffentlich für jeden etwas dabei.
Und drittens habe ich immer wieder betont, dass wir im Jubiläumsjahr nicht nur feiern, sondern nachhaltige Akzente setzen wollen, um uns aus der Vergangenheit heraus mit Fragen der Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen. Unser Ziel war es, etwas in Bewegung zu setzen, eine Resonanz zu erzeugen. Und mir scheint, es ist einiges geglückt, sodass Feldkirch 800 noch länger in Erinnerung bleiben wird und sich hoffentlich immer wieder auf eines unserer Hauptanliegen besinnt: „Bleib offen, Feldkirch 800“.

Ihr ganz persönliches Highlight 2018?

Der Moment, als es beim Neujahrsempfang 2018 still und dunkel im Saal wurde und wir den Film „Mein Feldkirch“ (einer von vier Filmen) mit Dr. Hans Gruber zum ersten Mal dem Publikum präsentierten. Dieses Gefühl von „Jetzt geht es los“ – Erwartung, Spannung und Freude und dann die Reaktion des Publikums. Ansonsten ist dies gar nicht einfach zu beantworten. Es gab unzählige schöne Momente im Jahr 2018. Ich liebe die Musik, deshalb sind es auch ganz viele musikalische Momente, die mir in Erinnerung bleiben werden: die h-Moll Messe von Bach, gesungen von der Chorakademie Vorarlberg, auch „Musik in der Pforte“ hat mir wunderschöne musikalische Augenblicke beschert. Und natürlich das Jubiläumskonzert der Musikschule. Das war großartig und die Freude und Begeisterung der Zuhörerinnen und Zuhörer waren für mich sehr berührend. Ein ganz anderes persönliches Highlight höre ich jeden Freitagnachmittag: Wenn die Glocke vom Katzenturm läutet. Dann spüre ich Resonanz. Dann schwingt die Luft in der Stadt. Jedes Mal wieder ein Erlebnis für mich.
 

„Wir haben im Jubiläumsjahr oft vom ,Gelingenden Leben‘ gesprochen. Feldkirch ist für mich das allerbeste Beispiel dafür, wo und wie Leben gelingen kann.“


Was wird Feldkirch aus 2018 für die Zukunft mitnehmen?

Dass wir offen bleiben wollen, humanistisch und neugierig. Viele Besucherinnen und Besucher kommen aus unserer Ausstellung und sagen: „Das habe ich gar nicht gewusst“ oder „Das war mir überhaupt nicht bewusst“. Ich glaube, das Wissen um die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen und wie diese die Stadt geprägt haben, gibt Identität und Stolz und Kraft für die Bewältigung aktueller Problemstellungen. Feldkirch ist für mich eine ganz außerordentliche und wunderbare Stadt, mit vielen schönen Ecken, die zu entdecken sich lohnt. Feldkirch gibt sich immer ganz bescheiden, aber steckt voller neuer Ideen, bietet Raum für Entwicklung und Platz für ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Die Stadt ist kulturell so reich, voller kleiner und großer Schätze. Wir haben im Jubiläumsjahr auch oft vom „Gelingenden Leben“ gesprochen. Feldkirch ist für mich das allerbeste Beispiel dafür, wo und wie Leben gelingen kann.

Und wie geht es nach Abschluss dieses Jahres nun für Sie persönlich weiter?

Meine Zeit hier in Feldkirch geht dem Ende zu – womit wir wieder bei der Wehmut wären. Ich habe immer gesagt, dass ich zwar aus Bregenz komme und eine Bregenzerin bin und bleibe (lacht), aber eben auch zur „Herzensfeldkircherin“ wurde. Ich habe diese Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner liebgewonnen und habe hier drei wundervolle Jahre verbracht.
Mein Weg wird mich Anfang 2019 nach Bern führen, ans Österreichische Kulturforum. Auf diese neue Herausforderung freue ich mich sehr. 

Wir werden Sie jedoch hoffentlich auch in Feldkirch wieder begrüßen dürfen?

Aber natürlich! Bern ist nicht so weit weg und ich freu mich auf das Wiedersehen!
Und wer weiß, was die Zukunft noch so alles bringen wird (lacht).

 

Das Gespräch führte Susanne Backmeister.